 Michael Krücker an einem
Erard "Grand Piano de Concert"
von ca. 1840 Mein
persönlicher Bezug zu Hammerklavieren basiert auf der
Faszination, einen Klang zu hören, verstehen und zu erfahren, wie
er wohl vor einigen Jahrhunderten den Komponisten als Grundlage
für deren Kompositionen gegeben war. Es beinhaltet auch, diese
Instrumente nicht als Relikt aus vergangener Zeit zu sehen,
sondern eben als Mittel, die Klangvorstellung der großen
Meister zu begreifen. Diese Authentizität lässt die
Kompositionen "originaler" und quasi als
"ungefilterten Genuss" erscheinen.
Der Name
"Hammerklavier" bedeutete ursprünglich dasselbe wie
"Pianoforte" oder "Fortepiano". Erstmals
wurde dieser Begriff von Beethoven zur Verdeutschung dieser
beiden Fremdwörter verwendet. Heute versteht man unter
Hammerklavier die Vielzahl der verschiedenen Klaviertypen (etwa
zwischen Mozart und Brahms), die unserem modernen Klavier
vorausgingen. Klangen die frühen Hammerklaviere der Mozartzeit
noch sehr cembaloähnlich (sie waren auch fast wie ein Cembalo
gebaut: ganz aus Holz, mit einem dünnen Resonanzboden und dünnen
Saiten), so entwickelte sich durch die Vergrößerung des
Umfangs (von fünf Oktaven auf mehr als sieben Oktaven) auch das
Tonvolumen. Das verlangte eine entsprechend stärkere
Konstruktion (dickere Saiten, größere Hämmer und stärkere
Resonanzboden). Es gipfelte schließlich in dem Einbau eines
durchgehenden Eisenrahmens (um 1860). Auch wurde das Leder auf
den Hammerköpfen bei den Bemühungen um einen kräftigeren
Klang durch Filz ersetzt, und diese Entwicklung entsprach dem
aufkommenden Virtuosentum.
 Die Musik der Klassik und Romantik
wurde nicht für unsere heutigen Instrumente geschrieben. So
besaßen Mozart, Beethoven und Schubert Klaviere, die sich von
unserem heutigen modernen Flügel doch stark unterschieden. Für
diese Instrumente komponierten sie und rechneten daher zwangsläufig
mit deren besonderen Eigenarten und Möglichkeiten. Man sollte
sich aber nicht dem falschen Glauben hingeben, dass
Musikinstrumente der früheren Jahrhunderte unvollkommene Vorläufer
der heutigen Instrumente seien. Diese Instrumente sind in ihrer
Art genauso vollkommen wie die Musik ihrer Zeit und so
entsprechen sich der musikalische Stil und der Klang des
jeweiligen Instrumentariums. Diese Erkenntnis, die sich durch
die Beschäftigung mit historischen Instrumenten und der ihnen
entsprechenden Spielweise und Aufführungspraxis gewinnen lässt,
kann zum Verständnis der jeweiligen Musik entscheidend
beitragen.
Michael Krücker
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